Ich weiß, gemeinhin gibt es auf Blogs von Rednern immer nur Heldengeschichten zu lesen. Aber irgendwann kann man ja mit diesem Tabu auch mal brechen. Denn ich bin kein Held.

Die vergangenen Tage waren der Höhepunkt einer ziemlich schweren Krise in meinem Leben. Nicht die erste und wahrscheinlich auch nicht die letzte. 😉

Manch´ einer geht in solch´ einer Situation Berge besteigen, einen Marathon absolvieren oder gleich Auswandern, um zu sich selbst zu finden. Ich habe mich einer Herausforderung gestellt, die mich weit mehr geängstigt hat:

Und das in einer Phase, meines Lebens, die herausfordernder nicht sein könnte: Die letzten Wochen waren geprägt von zahlreichen zwischenmenschlichen Ent-Täuschungen, einer Achterbahnfahrt der Gefühle, der Frage nach dem Sinn und meinem zukünftigen Weg gepaart mit ein paar Midlife-Crisis rechtzeitig vor meinem 49. Geburtstag. Ungünstiger hätten die Rahmenbedingungen zum Antritt meiner Challenge nicht sein können. 🙁

In den vergangenen fünf Tagen habe ich mir eine Auszeit genommen, in der ich nach Bayern gefahren bin und mich komplett vegan ernährt habe, davon drei Tage nur mit Säften. Handy und Computer waren die gesamte Zeit offline. Ich habe mich in der Kunst der Meditation geübt und einen 40-stündigen „Silent Retreat“ absolviert, einer Zeit des absoluten Schweigens. Während dieser Zeit habe ich sowohl einen eigenen Nachruf als auch einen Liebesbrief an mich selbst verfasst, beides sehr emotionale Erfahrungen. Allesamt Dinge, vor denen ich nicht nur gehörigen Respekt hatte, sondern die mir in dieser Phase schier unmöglich schienen.

Auch wenn eine Heldengeschichte sicherlich besser klänge, aber die vielen destruktiven Gedanken, Ängste, Sorgen und anderen Dämonen, die wahrscheinlich viele von uns kennen, haben auch vor mir nicht halt gemacht. Und obwohl – oder weil – ich etliche Tränen vergossen habe, konnte ich in dieser Zeit doch auch einige Klarheit gewinnen. Trotzdem wird es sicher noch einige Zeit dauern, bis ich alle Eindrücke der letzten Tage verarbeitet habe und meine Schlüsse daraus ziehen kann.

Es war eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich habe vielleicht nicht zu mir selbst gefunden, aber gelernt, auf meine innere Stimme zu vertrauen, in der ich mich zuletzt so getäuscht habe. Nun gilt es, vieles loszulassen. Danach wird nichts mehr sein, wie es war.

Heute Abend habe ich die große Ehre, an etwa 700 Teilnehmern der Freisprechungsfeier in Offenburg einige Worte zum Start in Ihr Berufsleben richten zu dürfen. Gerne hätte ich diesen besonderen Moment mit einem der wichtigsten Menschen in meinem Leben geteilt.

Trotzdem bin ich froh über alle Weggefährten, die mir in dieser Zeit entweder zur Seite standen oder mir die Augen geöffnet haben. Für beides bin ich aufrichtig dankbar. Es ist schön, in solchen Zeiten zu sehen, wer wirklich an deiner Seite steht. Danke an alle, die gerade mit ganzem Herzen bei mir sind. Ich weiß Eure echte Freundschaft sehr zu schätzen. Es tut einfach nur gut, zu wissen, dass ihr da seid. 🙂

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