„Wer nichts wird, wird Coach“, so heißt der Artikel von Bärbel Schwertfeger, der KarriereSPIEGEL-Autorin und freien Journalistin aus München vom Oktober 2013. Ein ziemlich provokativer Titel und damit ein Artikel, genau für mich geschrieben.

Wo es früher noch hieß, „Wer nichts wird, wird Wirt“ bezog sich dieser Spruch während meines Studiums auf die Masse an Studenten, die Betriebswirtschaft studierten. Genau wie damals steckt auch heute ein Funken Wahrheit in dieser Aussage. Jeder der damals nicht genau wusste, was er studieren sollte, schrieb sie erst einmal bei BWL ein (ich selbst war genau drei Semester Student der Betriebswirtschaft, bevor ich wusste, was ich wirklich will).

Heute sieht es auf dem Coaching-Markt fast ähnlich aus. Die Zahl der Ausbildungen sowie die Zahl derjenigen, die eine Coaching-Ausbildung absolvieren, steigt. Stellt sich die Frage: warum ist das so? Das BWL-Studium lockte damals mit der Möglichkeit, später als Manager einmal viel Geld zu verdienen. Diese Verdienstmöglichkeiten und die Chance, die eigenen Stärken gezielter zu nutzen, sind heute ebenfalls die Gründe für die steigende Anzahl an Coaches in Deutschland.

Leider erreichen nur die wenigsten ihr Ziel. Denn obwohl die meisten durchaus in der Lage wären, ein Coaching-Konzept erfolgreich anzuwenden, fehlen ihnen einerseits die nötige Ausdauer, andererseits das nötige Markting-Know-How. Eine Coaching-Ausbildung allein reicht nun mal nicht aus, um morgen Stundensätze von 200,-  zu verdienen. Nach der Ausbildung beginnt die Arbeit als Coach erst. Es ist nicht genug, ein nettes Büro zu mieten und neue Visitenkarten zu drucken. Um als Coach von seinen Honoraren leben zu können, braucht man im Durchschnitt drei bis fünf Jahre. Leider verschweigen das viele Coaching-Ausbildungen oder die Interessenten wollen es selbst nicht sehen. Dazu kommt, dass die meisten Coaches gar nicht allein vom Coaching leben. Vielmehr stellt das Coaching einen Part eines größeren Beratungs- und Weiterbildungsangebots dar.

Diejenigen, die das BWL-Studium erfolgreich absolviert haben, hatten auch keine Garantie, sofort eine Stelle zu bekommen, die überdurchschnittlich bezahlt wird.  Hier zeigen sich auch die Gemeinsamkeiten zum Coaching. Genauso wie es ausgebildete Betriebswirte gibt, die heute glücklich als Erzieher arbeiten und nur einen Bruchteil von dem verdienen, was sie sich damals erträumt haben, so gibt es auch ausgebildete Coaches die ihre Coaching-Fähigkeiten nicht nutzen, weil es einfach der falsche Beruf für sie ist und sich in anderen Bereichen verwirklichen. Nichtdestotrotz kann das BWL-Studium und auch die Coaching-Ausbildung dazu führen, seine Berufung auszuüben, über Jahre eine gute Leistung zu bringen und sich so das Einkommen zu sichern, welches damals bei der Auswahl der Ausbildung erträumt wurde. Dazu zählt auch, an den eigenen Coaching-Fähigkeiten sowie der eigenen Coaching-Persönlichkeit zu arbeiten, diese auszubauen und sich damit Stundensätze von € 200,- zu sichern.

Also steckt ein Stück Wahrheit in dem Spruch „Wer nichts wird, wird Coach“ und trotzdem bleibt Coaching ein vielversprechender Trend. Jeder Interessent sollte sich den Artikel von Bärbel Schwertfeger kritisch durchlesen und sich noch einmal selbst hinterfragen, ob die Ausbildung zum Coach der richtige Weg für ihn ist. Die damit verbundene Vorselektion führt zu einer weiteren Professionalisierung der in Deutschland aktiven Coaches.

Was sollten also Interessenten beachten, die mit dem Gedanken spielen, sich als Coach zu verwirklichen?

  1. Testen Sie, ob Sie die Fähigkeiten als Coach mitbringen
  2. Testen Sie, ob Sie in der Lage sind, sich selbst zu vermarkten
  3. Prüfen Sie, ob Sie genügend freie Zeit und langjährige Ausdauer mitbringen, um Ihre Coaching-Karriere aufzubauen
  4. Prüfen Sie, ob die gewählte Coaching-Ausbildung die Möglichkeit bietet, einen Support über mehrere Jahre abzurufen

Hier der vollständige Artikel: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/karriereziel-coach-meist-bleibt-coaching-ein-nebenjob-a-928744.html

Stefan Dreimann

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