Am 5. Juli ist Tag der Workaholics. Ein Tag, der all´ jenen gewidmet ist, die ihr ganzes Leben mit Arbeit verbringen und selbst keine Feiertage oder arbeitsfreien Nächte kennen. Der Begriff „Workaholism“ bezeichnet das Krankheitsbild eines arbeitssüchtigen Menschen. Und hiervon sind mehr Menschen betroffen, als wir denken.

Lang ist’s her, als der Arbeitstag eines Unternehmers um 8 Uhr begann und um 18 Uhr endete, als man am Werktag arbeitete und am Wochenende frei hatte. Heute stehen zwischen Business-Breakfast und Business-Dinner unzählige Meetings auf der Agenda. Hin- und Rückfahrten werden für Telefonate oder den Abruf von E-Mails genutzt, Abende und Sonntage für das Lesen von wichtigen Informationen und Nächte für die Kommunikation mit Partnern aus anderen Zeitzonen.

Der Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft hat dazu geführt, dass wir zunehmend komplexere Aufgaben zeitgleich mit der einhergehenden Informationsüberflutung zu bewältigen haben. Anrufe, Mails, Live-Chats, Facebook, Events, persönliche Nachrichten, Einladungen, Meetings, Freundschaftsanfragen, Xing, SMS und Twitter – zu viele Anforderungen, Aufgaben und Aktivitäten fordern unsere ganze Aufmerksamkeit. Die Auswahl der möglichen Ablenkungen ist in bislang ungeahnte Dimensionen gestiegen. Unsere To-do-Listen überwachen wir in einem ausgeklügelten Zeitmanagementsystem, wir lassen Termine regelmäßig auf dem Laptop updaten, haben alle Kontaktdaten auf dem Smartphone auf dem aktuellen Stand und sind fast rund um die Uhr auf allen Kanälen erreichbar. Im gleichen Maß nimmt die Anzahl der Tools zu, die uns dank sich rasant verändernder Kommunikationstechnik Zeitersparnis versprechen, von denen uns ein Großteil noch vor einigen Jahren gar nicht zur Verfügung stand.

Doch hat dies zu mehr frei verfügbarer Zeit geführt? Konnte dadurch die Lebensqualität maßgeblich gesteigert werden? Im Gegenteil: Inzwischen könnte unser Tag gut und gerne 48 Stunden lange sein, ohne dass wir es schaffen würden, alles zu erledigen. So bleibt nur die ernüchternde Erkenntnis: Egal, wie sehr wir unsere Belastbarkeit auch steigern, es reicht nie!

Und so dehnt sich die Verfügbarkeit eines Selbstständigen unaufhaltsam aus, so dass unklar wird, ob man sich gerade im privaten oder im geschäftlichen Modus befindet. Längerfristige Projekte oder persönliche Ziele werden auf unbestimmte Zeit verschoben: „Das mache ich, wenn ich mehr Zeit habe.“

Hinzu kommt der Druck aus dem privaten Umfeld: Dort ist die berufliche Situation nicht nachvollziehbar, Familie und Freunde machen dem Workaholic schwere Vorwürfe, der mit schlechtem Gewissen und guten Vorsätzen reagiert.

Dabei wäre „Weder selbst, noch ständig“ in den Augen des Effizientertainers die richtige Einstellung, soll die eigene Vollbeschäftigung nicht das erklärte Ziel des Unternehmertums sein.

Doch die tägliche Praxis zeichnet häufig ein anderes Bild: Vor allem bei der Frage nach den Zielen erlebt der Produktivitätsexperte in seinem Unternehmer-Coaching immer wieder bezeichnende Antworten: „Meine Frau sagt, ich soll mir ein Hobby suchen“ oder „Ich möchte gerne eine Stunde länger schlafen“ sind da nur einige der Highlights, die darauf schließen lassen, das der Workaholic im Grunde von einem inneren Antreiber gepeinigt wird, die den Input immer noch höher wertet als das Ergebnis.

Erste Hilfe für Workaholics:

  1. Outcome statt Input: Orientieren Sie sich am Ergebnis

Leider gelten Workaholics bei uns nach wie vor als Inbegriff von Leistung. Von Leistung vielleicht, aber was ist mit dem Ergebnis? Das gängige Bild ist: Wer Zeit hat, kann nicht erfolgreich sein. Dabei ist Arbeit bei Leibe kein Selbstzweck. Im Gegenteil: Sie müssen das erzielte Ergebnis in Relation zur aufgewendeten Zeit setzen. Die entscheidende Formel für Produktivität lautet nämlich: erzielter Ergebnis geteilt durch investierte Zeit. Die Zeit steht also im Nenner. Demnach werden Sie deutlich unproduktiver, je mehr Zeit Sie am Schreibtrisch verbringen. Also, wenn Sie Ihre Ergebnisse maximieren wollen, suchen Sie nach guten Gründen, das Büro so schnell wie möglich wieder zu verlassen. „Outcome statt Input“ lautet das entscheidende Schlagwort.

  1. Filtern Sie aus: Beantworten Sie eingehende Anrufe nie direkt

Oft erwarten Menschen, die sieben Tage pro Woche und 24 Stunden täglich für jedermann erreichbar sind, dies auch von ihren Mitmenschen. Aber wenn Sie nicht die Bundeskanzlerin (oder der Bundeskanzler) sind, sollte Sie niemand abends um 21 Uhr noch brauchen. Was passiert, wenn Sie mal nicht zu erreichen sind? Vermutlich nichts!

Jeder eingehende Anruf führt zu einer unerwünschten Unterbrechung der Tätigkeit, an der Sie gerade arbeiten. Lassen Sie Ihren Anrufbeantworter aktiv werden oder leiten Sie eingehende Anrufe an einen Mitarbeiter um. Wenn Ihnen hierfür keiner zur Verfügung steht, engagieren Sie einen Büroservice, um zumindest Ihre eingehenden Anrufe entgegenzunehmen.

Machen Sie sich darüber hinaus die folgenden Grundsätze zur eisernen Regel:

  • Nie Anrufe entgegennehmen, wenn die Nummer des Anrufenden nicht angezeigt wird.
  • Nie Anrufe entgegennehmen, wenn die Nummer des Anrufenden angezeigt wird und Sie ganz genau wissen, dass es Zeitverschwendung ist, mit ihm zu telefonieren.
  • Nie verpasste Anrufe zurückverfolgen, wenn auf dem Anrufbeantworter kein wichtiger Grund dafür hinterlassen wurde. „Ruf mich zurück!“ ist übrigens kein wichtiger Grund.
  1. Finger weg vom Posteingang: Mailen Sie nie morgens als erstes oder abends als letztes

Die Angewohnheit, morgens den Arbeitstag damit zu beginnen, kurz die E-Mails zu checken, stellt einen denkbar ungeeigneten Start dar. Sie kann Ihre wichtigsten Prioritäten und eigentlichen Pläne für den gesamten Tag durcheinanderbringen. Ihre Mails können in aller Regel bis 10 Uhr warten, nachdem Sie zumindest einen wichtigen Punkt Ihrer To-do-Liste erledigt, am besten natürlich Ihre wichtigste Aufgabe abgeschlossen haben. Abends dagegen sorgen Mails für Schlaflosigkeit oder Überstunden, weil Sie kurz vor dem Feierabend „noch schnell“ beantwortet werden. Das ist alles andere als ein gelungener Tagesabschluss.

  1. Nehmen Sie sich frei: Hören Sie auf, am Wochenende zu arbeiten

Nehmen Sie freitags keine Arbeit mehr mit nach Hause. Entweder, Sie rühren sie sowieso nicht an, weil Sie am Wochenende ganz anderen Bedürfnissen nachgehen, oder Sie verzichten auf die Freizeit, die Sie benötigen, um Ihren Akku wieder aufzuladen. So oder so. Am Ende des Wochenendes haben Sie wahrscheinlich immer ein schlechtes Gewissen. Das können Sie vermeiden, indem Sie die Arbeit dalassen, wo sie hingehört: Im Büro.

Ja, auch Ihr Handy und Notebook enthalten Arbeit und bleiben am Wochenende ebenfalls tabu. Die gute Nachricht: Sie haben sich das freie Wochenende verdient.

Nehmen Sie sich pro Woche mindestens einen freien Tag von Ihren digitalen Sklaventreibern. Facebook am Sonntagabend? Wie bedauernswert. Lassen Sie das.

Besonders schwer betroffene Workaholics starten vorsichtig mit nur einem freien Sonntag pro Monat und dehnen diese Zeit langsam aus.

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